MEB Group: Freude an Weiterentwicklung
GeoNews im Gespräch mit Markus Brun, Geschäftsführer der MEB Group (Schweiz)
Markus Brun ist einer der Gründer und bis heute Miteigentümer der MEB Group, einem der führenden Trimble-Partner im deutschsprachigen Raum. Seit über 30 Jahren begleitet er den Wandel der Vermessungsbranche, von der Gründung in den 1990er-Jahren bis zur heutigen Zusammenarbeit mit der rmDATA Group. Im Interview spricht er über die Geschichte der MEB Group, die Partnerschaft mit Trimble, aktuelle Trends in der Vermessung und darüber, warum ihm der persönliche Kontakt zu seinen Kunden bis heute am wichtigsten ist.
GeoNews: Herr Brun, erzählen Sie uns die Geschichte der MEB Group – wie hat alles angefangen?
Markus Brun: Der Name MEB steht für Müller, Eigensatz, Brun – wir sind drei Vermessungsfachleute, die sich vor über 30 Jahren kennengelernt haben. Wir waren selbst täglich als Vermesser tätig und unser Antrieb war es und ist es bis heute, die Abläufe draußen und drinnen zu optimieren mit nahtlosen Workflows, mit Effizienzsteigerung und durch Vermeiden von Fehlern.
Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn auf der Baustelle etwas nicht funktioniert – deshalb schauen wir zuerst, dass der Kunde weiterarbeiten kann, und kümmern uns erst danach um administrative Fragen. Wir verstehen uns nicht als Lieferant, sondern als langfristiger Partner unserer Kunden.
GeoNews: Wenn Sie Ihre Vision für die MEB Group auf einen Punkt bringen müssten?
Markus Brun: Wir helfen der Vermessungs- und der Baubranche dabei, digitale Methoden einzusetzen, um ressourcenschonender zu arbeiten. Wenn digitale Planung dazu führt, dass eine Baustelle nicht mehr mit zehn Prozent Materialabfall arbeitet, sondern nur anliefert, was wirklich gebraucht wird, oder wenn eine Maschinensteuerung einen Bagger 30 Prozent schneller fertig werden lässt, dann sparen wir nicht nur Kosten, sondern auch Ressourcen. Die Baubranche ist einer der größten CO2-Treiber – und wir sehen unseren Beitrag darin, mit unseren Lösungen genau hier anzusetzen.
GeoNews: Sie decken heute die gesamte DACH-Region ab. Wie ist Österreich organisatorisch eingebunden?
Markus Brun: Wir wurden 1996 Trimble-Partner in der Schweiz, sind also seit rund 30 Jahren dabei. Im Jahr 2024 hat uns Trimble dann das Vertrauen geschenkt, auch die Verantwortung für den Vermessungsvertrieb in Deutschland und Österreich zu übernehmen. AllTerra Österreich war damals organisatorisch Deutschland angehängt. Das haben wir nach der Übernahme geändert und die AllTerra Austria neu als gleichberechtigte Schwestergesellschaft zur AllTerra in Deutschland aufgestellt. So wie auch unsere anderen Organisationen in der Schweiz – etwa Allnav, BuildingPoint und SITECH. Sie agieren jeweils unabhängig und entwickeln ihre eigene Strategie.
GeoNews: Welche Trends sehen Sie aktuell in der Vermessungstechnik?
Markus Brun: Ein großes Thema im Hardwarebereich ist die Sensorfusion. An der INTERGEO 2026 wurde ein neuer Prismenstab vorgestellt, der GNSS bereits integriert hat – also ein Prismenrover. Der Stab kann aufgrund der IMU-Technologie und KI-gestützter Filterung auch schräg gehalten werden. Über einen eingebauten Distanzmesser wird sogar die Stabhöhe millimetergenau automatisch ermittelt und in der Feldsoftware erfasst.
Der zweite große Bereich ist die Software – vor allem der nahtlose Workflow vom Sensor bis zum fertigen Resultat im Büro. Genau das war für mich auch einer der Gründe, das Gespräch mit rmDATA zu suchen: rmDATA ist Marktführer im Bereich Vermessungssoftware, und wir waren es unseren Kunden schuldig, ihnen dort das bestmögliche Erlebnis im Datenworkflow zu bieten.
Der dritte Themenbereich ist Cloud Computing mit Cloud-Auswertungen, teils mit KI-Unterstützung, aber vor allem die Bereitstellung von Daten für den Kunden über die Cloud, sodass der Austausch von Daten mit Planern vereinfacht wird, Stichwort Datendrehscheibe.
GeoNews: Gibt es Entwicklungen, die Sie persönlich überraschen oder besonders spannend finden?
Markus Brun: Ich glaube, jeder von uns war beeindruckt, als die großen Sprachmodelle auf den Markt kamen – die Möglichkeiten sind gewaltig, und viele von uns stehen da noch am Anfang, ob bei Vibe Coding oder MCP-Schnittstellen. Für uns als Trimble-Partner ist wichtig, dass wir an diesem Thema nah dran sind. Ich halte inzwischen selbst Vorträge zu Bauwesen und KI, etwa an einem großen Schweizer Baukongress. Entscheidend ist dabei immer die Frage, wie man KI wirklich gewinnbringend und effizienzsteigernd einsetzt – nicht, dass man sie einfach anwendet. Die MEB Group vertreibt neben Vermessungstechnik auch Planungssoftware für Bauingenieure, Gebäude-, Infrastruktur- und Bahnprojekte. Genau darin liegt unsere Stärke: Wir kennen sowohl die Schnittstelle vom Planer bis zur Baustelle als auch den umgekehrten Weg – das unterscheidet uns von Mitbewerbern, die entweder nur die Planungs- oder nur die Vermessungsseite kennen.
GeoNews: Verfolgen Sie als Vermesser die Entwicklung hinsichtlich KI mit Sorge?
Markus Brun: Nein. Ich glaube, die Rolle des Vermessers auf der Baustelle wird sich so schnell nicht grundlegend verändern. Auch wenn es Roboter gibt, braucht es Menschen, die draußen messen und prüfen. Wo Technologie helfen kann, ist zum Beispiel bei der Arbeitssicherheit – dass die Vermesser im Tunnel, auf der Straße oder im Bahnbereich sicherer unterwegs sind, etwa durch Mobile Mapping, sodass sie nicht mehr direkt auf der Fahrbahn stehen müssen. Die eigentliche Veränderung findet im Büro statt. Und was ich in meiner Karriere im digitalen Planen, Bauen und Betreiben festgestellt habe: Kein anderer Berufsstand kann so gut mit räumlichen Daten umgehen wie Vermesser – auch mit Planungsdaten, etwa im BIM-Umfeld. Deshalb kann es aus meiner Sicht gar nicht genug ausgebildete Vermesser geben.
GeoNews: Was muss sich aus Ihrer Sicht in der Branche verändern, damit sie zukunftsfähig bleibt?
Markus Brun: Ich würde sagen, es geht um die Lust auf Innovation, auf Veränderung und Weiterentwicklung. Häufig fehlt schlicht die Motivation, Abläufe zu ändern, weil man dafür Zeit investieren und Kollegen schulen muss, ohne dass es unmittelbar honoriert wird. Genau da sehe ich auch unsere Aufgabe: Wenn Digitalisierung mühsamer wird statt einfacher, haben wir sie nicht richtig gemacht. Und dasselbe gilt für KI – setzt man sie als Werkzeug ein, das wirklich nützt und Zeit spart, ist das genau richtig.
GeoNews: Wie kam es zur Partnerschaft mit rmDATA, und welche Idee steckt dahinter?
Markus Brun: Bereits im allerersten Gespräch ist der sprichwörtliche Funke übergesprungen – sowohl bei mir als wohl auch bei Jürgen [Anm. Jürgen Beiglböck, GF der rmDATA Gruppe]. Wir wollten gemeinsam etwas aufbauen, das unseren Kunden die Arbeit spürbar erleichtert: Wer im Trimble-Ökosystem und gleichzeitig im rmDATA-Ökosystem arbeitet, soll das Gefühl haben, dass sich hier zwei zusammengetan haben, um alles so nahtlos wie möglich zu gestalten. Das ist unser gemeinsames Ziel.
Diese Zusammenarbeit zeigt sich vor allem im Zusammenspiel von Feld und Büro - es geht letztlich immer um denselben Kernpunkt: den durchgängigen Workflow. Diese Initiativen sind unser aktiver Beitrag in der Branche dem wachsenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
GeoNews: Was bedeutet das für den Datenaustausch in der Praxis?
Markus Brun: Trimble Connect ist in der Schweiz bereits De-facto-Standard und verbindet als zentrale Cloud sämtliche Trimble-Software und -Hardware. Im Zentrum steht das nahtlose Zusammenspiel mit rmDATA Geomatik: Projekte gelangen ohne Memory Stick direkt aufs Gerät, und die Felddaten fließen ebenso direkt zurück in die Geomatik-Lösung. Künftig lassen sich auch Daten aus Laserscannern direkt in rmDATA Reality3D weiterverarbeiten, Modelle erstellen und wieder publizieren – der Kunde hat diese sofort zur Verfügung.
GeoNews: Sie stellen Sensoren für Ausbildungsstätten kostenfrei zur Verfügung – was steckt dahinter?
Markus Brun: Am Campus Sursee ist ein Mitarbeiter von uns mit einem Pensum von rund 70 Prozent als externer Lehrbeauftragter tätig – der Campus setzt bewusst auf Referentinnen und Referenten aus der Praxis. Zusätzlich unterstützen wir die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), an der die Geomatik-Ingenieure der Schweiz ausgebildet werden, mit einem Trimble Technology Lab: Wir stellen Hardware und Software zur Verfügung, damit die Studierenden stets mit den neuesten Geräten arbeiten können, und wir halten dort vereinzelt auch Vorlesungen. So bleibt der Studiengang für angehende Fachkräfte attraktiv. Je besser Fachleute ausgebildet sind, desto eher erkennen sie den Nutzen effizienterer Workflows, Abläufe und Investitionen.
GeoNews: Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Wo steht die MEB Group in fünf Jahren?
Markus Brun: Was wir in der Schweiz aufgebaut haben, wollen wir Stück für Stück auch auf Deutschland und Österreich übertragen. Auch intern ist das eine Aufgabe: Schon bei der Rekrutierung achten wir darauf, Menschen zu gewinnen, die an Success Management glauben, denn wenn wir drei Monate nach einer Produkteinführung im Verwaltungsrat sitzen, lautet die erste Frage nie, wie viel Umsatz wir gemacht haben, sondern: Sind die Kunden zufrieden?
GeoNews: Zum Abschluss: Was war rückblickend die wichtigste Lektion auf Ihrem bisherigen Weg?
Markus Brun: Für mich persönlich war es die Bereitschaft, immer wieder Neues zu lernen – sei es beim Aufbau einer Organisation mit nur zwei Mitarbeitenden bis zur Führung von sieben Unternehmen. Das bedeutet, bestehende Muster und Regeln immer wieder zu hinterfragen: Was früher gut war, muss heute nicht mehr gut sein.
Die zweite wichtige Erkenntnis: Wer sich für ein neues Themengebiet wirklich interessiert, sich eindenkt und mit vielen Menschen darüber spricht, eignet sich das Wissen schnell an – ganz ohne große Ausbildung. Wichtig ist dabei, offen zu sein, aber auch kritisch: Es gibt viele Technologien, die wir uns angesehen und bewusst nicht auf den Markt gebracht haben, weil wir überzeugt waren, dass sie unsere Kunden nicht glücklicher machen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Weitere interessante Beiträge zu Anwendern und rmDATA-Produkten lesen in der aktuellen Ausgabe des Firmenmagazins GeoNews.




